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Jub Mönster – Malerei
Ausstellungszeitraum: 17.8 bis 2.9.2018

 

Rede zur Ausstellung von Jub Mönster in der Galerie Gerlach
Sonntag, 12.8.18, 15 Uhr – Peter Groth (Kulturjournalist)

Sehr geehrte Gäste, lieber Jub, liebe Dörte, lieber Karl,
vor gut drei Monaten erhielt ich von Dörte Gerlach und Karl Schmeichel einen Brief mit der Frage, ob ich eine Ausstellung von Jub Mönster in ihrer Galerie eröffnen könne. Eigentlich wollte ich ja an diesem Wochenende bei einem Freiluftkonzert vor dem Meldorfer Dom an der schleswig-holsteinischen Westküste mit den 17 Hippies und zwei Brass-Bands sein, aber Schwamm drüber – die Gelegenheit gibt es mal wieder.
Ich habe mich für die Ausstellung entschieden, weil ich die künstlerische Arbeit von Jub Mönster nun schon seit vielen Jahren verfolge und weil ich dieses humorvolle, nicht so bierernste und nicht so verkopfte Umgehen Mönsters mit der Malerei und der Zeichnung mag.
Ich habe also zugesagt, mich vor gut einer Woche mit dem Künstler hier in seiner Ausstellung getroffen und mit ihm über seine Bilder geredet. Aus so einem einstündigen Gespräch wird noch keine Rede, also habe ich im heimischen Bücherschrank gesucht und auch etwas über Mönster gefunden – einen Katalog über eine Ausstellung in Rastede mit dem schönen Titel „Ich lass das mal so“. Darin hat ein guter Freund des Künstlers, der Frankfurter Satiriker Bernd Eilert, einen humorvollen Text über den Ausstellungstitel und den Maler geschrieben. Eilert ist wie Mönster 1949 in Oldenburg geboren – und es steht zu vermuten, dass diese Tatsache die Freundschaften zu den Textern und Zeichnern der Neuen Frankfurter Schule begründet hat.
Nun steht es mir fern, in den Textrevieren der wohl bedeutendsten deutschen Gegenwarts-Satiriker zu wildern. Das geht gar nicht. Was macht man also als Ausstellungseröffner? Man geht ins Netz, gibt bei Google den Namen Jub Mönster ein und gerät in Gefahr, sich zwischen all den Einträgen zu verlieren.
Amazon und der Deutsche Apothekerverlag, Ebay und die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, diverse Blogger, Galerien, Kunstvereine, Museen und die Gemeinde Scharnebeck, Medien in Hülle und Fülle, das Filmbüro Bremen, eine dem Fußball zugeneigte obskure Künstlergemeinschaft mit dem schönen Titel „Der 35. Spieltag“ und der SV Werder Bremen – sie und wirklich viele andere informieren über Jub Mönster und seine Arbeit. Je länger man sucht, die Beiträge in spanischer, englischer, französischer, norwegischer und polnischer Sprache ausklammert, desto verwirrender erscheint die vielfältige Rezeption und die Arbeit dieses Künstlers aus Bremen.
Bleiben wir also bei den Fakten. Jub Mönster ist Oldenburger, hat von 1970 bis 1976 an der Bremer Hochschule für Gestaltung und danach auch noch an der Universität Bremen einschlägig studiert. 1972 hatte er seine erste Ausstellung in der Kleinen Galerie Oldenburg, seitdem gab es rund 50 weitere Einzelausstellungen und 80 Gruppenausstellungen im In- und Ausland. Ausland meint nicht nur Europa, sondern auch Süd- und Nordamerika, Dakar im afrikanischen Senegal, und Asien. Und in Deutschland waren Werke Jub Mönsters unter anderem im Vitra Museum in Weil am Rhein, im Deutschen Filmmuseum Frankfurt oder im Berliner Haus am Waldsee zu sehen. Hier in der Region gibt es in der Landschaft der Ausstellungshäuser nur noch wenige weiße Flecken.
Jub Mönster hat für seine künstlerische Arbeit Stipendien im In- und Ausland erhalten, war Preisträger in diversen Wettbewerben und ist 2016 in den exklusiven Deutschen Künstlerbund aufgenommen worden.
Richtig bekannt wurde Jub Mönster, der auch Bücher für Klaus Modick, Klaus Kordon und andere illustriert hat, Kunstprojekte mit Langzeitarbeitslosen und Gefangenen durchführte, mit seinen Wandbildern. Rund 40 dieser riesigen Gemälde sind seit 1977 teils auch in Gemeinschaftsproduktion mit Kollegen wie Jürgen Schmiedekampf in verschiedenen deutschen Städten und zuletzt 2010 in Danzig beim European Festival of Monumental Painting entstanden. Im benachbarten Bremen kennen Sie vielleicht das Wandbild „en passant“ am Dobben oder den Parkwächter am Parkhaus Langenstraße und vielleicht auch die illustrierte Geschichte des SV Werder an der Außenwand der Werder-Sporthalle im Hulsberg-Quartier. Es gibt aber in Bremen noch viel mehr, etwa an der Universität, bei Radio Bremen, in Schulen und Jugendzentren.
Nun haben Sie vieles über Jub Mönster erfahren, aber noch nichts über seine Ausstellung. Im vergangenen Jahr waren hier in der Galerie die ungewöhnlichen Kugelschreiber-Zeichnungen von sehr gewöhnlichen Orten zu sehen. Die neue Ausstellung stellt nun das malerische Oeuvre vor.
Man kann nicht sagen, dass der junge Mönster so gemalt und sein Spätwerk anders konzipiert wäre. Nein, Jub Mönster hat in seiner Malerei einige Kontinuitäten. Dazu zählen etwa die massiven Schlagschatten von Menschen, dazu gehört auch die häufige Wahl der Vogelperspektive als Blickachse auf das Bildgeschehen. Und kennzeichnend für Mönsters Malerei ist allemal das manchmal verwirrende Spiel mit verschiedenen Bildebenen. Immer wieder begegnen sich realistisch gemalte Personen vor einem abstrakten oder fiktiven Bildhintergrund. Vertrautes kollidiert mit Unverständlichem, der Maler schickt seine Protagonisten in eine Welt, in die sie eigentlich nicht hineingehören. Diese fiktive Welt besteht häufig aus gefundenen Zufalls-Strukturen – in der Ausstellung sehen sie zwei kleine Formate, bei denen die Personen auf ein Leinen-Handtuch mit einem geometrischen Muster platziert wurden. Manchmal verwendet Mönster als Malgrund aber auch Informationstafeln, wie man sie aus dem Fahrschulunterricht kannte, oder eine Leinwand, die beim Malen auf dem Fußboden des Ateliers lag und von dort die Struktur der rechteckigen Backsteine aufnahm. Das sieht man als Betrachter nicht sofort, aber wenn man’s dann weiß, dann bekommt man eine Ahnung davon, wie wunderbar der Maler verschiedene Bildwirklichkeiten ineinander montiert, wie etwas ganz Spezielles aus Beiläufigem entsteht. Und wer ganz genau hinschaut, sieht überdies, dass die Menschen auf den großen Gemälden als Sperrholz-Figuren in das Bild hineingeklebt wurden. Jub Mönster kann sie so beliebig verschieben und platzieren und erzielt so eine höhere Lebendigkeit im Motiv.
Zur Perfektion gerät das Ineinandergreifen verschiedener Bildebenen bei Mönsters Malerei auf Malerei. Seit geraumer Zeit sammelt der Künstler auf Flohmärkten und auf Auktionen gefüllte Dia-Kästen mit Aufnahmen von Privatpersonen, die er natürlich nicht kannte. Zeitweise sammelte er zudem Bildpostkarten, die er beispielsweise als Vorlagen für seine Kugelschreiberzeichnungen verwendete – ich erinnere mich da an die Kegelbahnen in Landgasthöfen. Und er sammelte in Öl, Acryl und mit Aquarellfarben gemalte Landschaftsbilder, die kein Mensch mehr haben wollte. Man kann sagen, das sind schlecht gemalte oder kitschige Motive, aber das wäre unfair gegenüber den unbekannten Künstlern. Jub Mönster nutzt diese Bilder als Malgrund, um darauf Menschen aus der Jetztzeit oder aus zurückliegenden Jahrzehnten zu platzieren. Die Wanderer, die Rastenden, die Frau mit dem Selfie-Stick, sie alle schauen zumeist in das Bild hinein und wenden uns ihren Rücken zu. Bisweilen unternehmen sie akrobatische Verrenkungen – was kein Zufall ist. Mönster nimmt diese Posen aus seinen gesammelten Dias und versetzt sie in eine andere Welt. Manchmal, so sagt er über seine Montagen, scheinen die Landschaften lange auf seine Menschen gewartet zu haben. Sie passen dort hinein, wirken manchmal ein bisschen lächerlich und erheitern uns als Betrachter grandios.
Ich möchte sie jetzt in diese Erheiterung entlassen und wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Betrachten der Bilder. Ach ja, und vielleicht fragen sie den Künstler, warum er seiner Ausstellung den Titel „Unschärfen im Randbereich“ gegeben hat – das Betrachten der Bilder, die Recherche im Netz und auch der Katalog gaben da keine Erklärung her. Ich lass das mal so stehen….
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

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